Leerverkäufe – Wie gut sind sie wirklich?

Börse

Leerverkäufe (Short Selling) würden die Börsen mit Liquidität versorgen, glaubte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im letzten Maybrit-Illner-Interview. Leerverkäufer würden Ungereimtheiten in den Unternehmensbilanzen aufdecken, glauben Wissenschaftler gemäss FTD. Ohne Leerverkäufe würden die Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) bei einzelnen Titeln zunehmen, meinen Ökonomen.

Ein seriöses Investment funktioniert so:
Der Investor versorgt ein Unternehmen oder ein Staat mit seinem Geld und erwartet im Gegenzug eine Rendite (Zinsen, Kursgewinne), die aus Wertschöpfung resultiert. Das ist Marktwirtschaft!

Völlig anders sieht es mit Leerverkäufen aus:
Der Spekulant will trotz fallender Kurse durch Marktrückgänge, Unternehmen in Schwierigkeiten, Massenentlassungen und Managementversagen seinen persönlichen Reibach auf Kosten anderer machen, obwohl er nicht einmal Anteilseigner ist. Dabei vernichtet er Liquidität, weil er Papiere, die es gar nicht gibt, gegen reelles Geld auf den Markt wirft. Zudem drücken Leerverkäufe ungerechtfertigt die Kurse, so dass es dem betroffenen Unternehmen, einer gesamten Branche oder einem Staat immer schwieriger wird, sich frisches Kapital zu beschaffen. Wer Marktwirtschaft als „Was geht mich das Leid anderer an?“ definiert, liegt hier richtig.

Aber, sofern nicht selbst davon betroffen, nützen Leerverkäufe einzig der Finanzindustrie – den Börsen, Banken und Händlern durch zusätzliche Provisionen, die bei einem Verbot natürlich entfallen, weshalb die Märkte sehr sensibel auf Verbote reagieren.

3 thoughts on “Leerverkäufe – Wie gut sind sie wirklich?

  1. Pingback: Finanzen Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.